Warum züchten? – Ein Wort an die Kritiker
Es gibt Menschen, die haben eine Lieblingsrasse gefunden. Sie sind glücklich, ihr Leben mit diesen Hunden zu teilen, sie zu lieben, zu achten und ihren Alltag ganz auf sie abzustimmen. Das ist die wunderbare Basis jeder Mensch-Hund-Beziehung.
Und dann gibt es Menschen, deren Faszination noch tiefer geht. Menschen, die den Drang verspüren, zu forschen, sich zu informieren und bis ins kleinste Detail zu gehen. Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Ursprung, den historischen Zuchtlinien, der Genetik und der zentralen Frage: Welche Art der Zucht nützt der Rasse wirklich – und welche schadet dem Tier am Ende mehr, als dass sie ihm hilft?
Warum überhaupt noch Hunde in die Welt setzen?
Viele Menschen schimpfen völlig zu Recht über die Auswüchse der modernen Hundezucht. Sie fragen: Die Tierheime sind voll, warum muss man da noch mehr Welpen produzieren? oder Ist Zucht in der heutigen Zeit überhaupt noch ethisch vertretbar?
Diese Fragen sind wichtig. Und wir möchten darauf eine ehrliche Antwort geben.
Zucht ist nicht gleich Vermehrung.
Wer ohne Sinn und Verstand Hunde verpaart, um schnelles Geld zu verdienen oder Modetrends zu bedienen, handelt verantwortblos. Das ist das rein profitorientierte In-die-Welt-Setzen von Hunden, das wir zutiefst ablehnen.
Verantwortungsvolle Liebhaberzucht hingegen ist etwas völlig anderes: Sie ist gelebter Artenschutz und der Erhalt eines jahrtausendealten Kulturgutes.
Der Tibet Terrier im Wandel des Marktes: Ein Alarmsignal
Warum ist dieses Thema gerade beim Tibet Terrier so unendlich wichtig? Weil auch vor unserer geliebten Rasse der kommerzielle Markt und die reine Befriedigung der Kundennachfrage keinen Halt machen. Wir beobachten seit Jahren eine Entwicklung in der Zuchtwelt, die uns große Sorgen bereitet und der wir uns entschieden entgegenstellen:
Die Verzwergung: Der Tibet Terrier wird schleichend immer kleiner gezüchtet. Er verliert seine ursprüngliche, robuste Präsenz, um als kleiner, süßer Wohnungshund besser in den modernen Lifestyle zu passen.
Der Verlust der Fellqualität: Das funktionale, wetterfeste, derbe Doppelhaarkleid aus feiner Unterwolle und schützendem Deckhaar weicht immer öfter einem dünnen, seidenen, pflegeintensiven Chow-Fell. Was auf Ausstellungen vielleicht hübsch fliegt, verliert im Alltag jeglichen Schutz gegen Wind, Kälte und Nässe.
Veränderung der Anatomie: Der typische, kräftige, quadratisch-praktische Körperbau und die legendären großen, flachen Schneeschuh-Pfoten wurden durch falsche Zuchtauswahl bereits empfindlich beeinträchtigt. Flache, instabile Pfoten und ein verlorenes Gleichgewicht im Körperbau nehmen dem Tibet Terrier seine ursprüngliche Agilität und Gesundheit.
Wenn wir Menschen aufhören, diese Rasse mit tiefem biologischen Wissen und Respekt im Ursprung zu erhalten, wird der wahre Tibet Terrier verschwinden. Er wird durch den reinen Show-Hype – dem Hinterherjagen nach Pokalen und dem ungesunden Motto Gesehen und gesehen werden – so verändert, dass sein echter Charakter und seine Funktionalität auf der Strecke bleiben.
Die Spreu trennt sich vom Weizen
Ja, es gibt Züchter, die planlos verpaaren. Die den Markt bedienen und das züchten, was sich schnell und niedlich verkauft, ohne zu wissen, welche Linien in ihren Hunden stecken oder welche gesundheitlichen Schäden sie langfristig anrichten.
Und dann gibt es jene Züchter, die sich tausende Gedanken machen. Die sich intensiv mit der Genetik, dem Erhalt der alten Natur-Linien, dem Wesen und der Gesundheit auseinandersetzen. Wir tun dies aus einem einzigen Grund: um den Tibet Terrier bestmöglich in seiner Urform zu schützen.
Denn machen wir uns eines klar: Kein Verein und kein Verband dieser Welt nimmt uns die Pflicht ab. Ein Stück Papier oder eine Vereinszugehörigkeit garantiert noch keine gute Zucht. Am Ende trägt ganz alleine der Züchter, der Mensch, die Verantwortung. Wir Menschen stehen in der alleinigen Schuld dem Tier gegenüber. Wir entscheiden über Leben, Genetik und Gesundheit.
Aus diesem Grund wächst eine verantwortungsvolle Zucht nicht im großen Stil, sondern im Kleinen, Persönlichen. Zucht bedeutet für mich auch, nur so viele Hunde zu halten, dass ich jeder einzelnen Seele täglich gerecht werden kann. Sie alle sind in erster Linie geliebte Familienmitglieder, keine Zuchtmaschinen.
Wir produzieren keine Ware für den Markt. Wir bewahren das Erbe des Tibet Terriers mit tiefem Respekt – für Menschen, die genau diesen unverfälschten, klugen, quadratischen und wetterfesten Partner fürs Leben suchen.
Ein persönliches Schlusswort:
Mir liegt es vollkommen fern, andere Menschen anzugreifen, zu belehren oder zu verurteilen. Jeder geht seinen eigenen Weg. Aber ich liebe diese Rasse abgöttisch. Und genau aus dieser tiefen Liebe heraus empfinde ich es als absolute Sünde, dieses Jahrtausende alte Meisterwerk der Natur so zu verändern, dass das Tier im Alltag darunter leidet und benachteiligt wird. Ich unterstütze das, was ihn im Ursprung so einzigartig macht.

