Die Beißhemmung beim Welpen
Welpen erkunden ihre Welt nicht nur mit der Nase und den Pfoten. Sie setzen ganz selbstverständlich auch ihre Schnute und ihre kleinen Zähne ein.
Beim Spielen mit den Geschwistern wird gerangelt, festgehalten und ausprobiert. Wird ein Biss zu kräftig, reagiert das Gegenüber sofort. Das Spiel wird unterbrochen, der andere Welpe beschwert sich oder entfernt sich. Auch die erwachsenen Hunde setzen verständliche Grenzen.
Auf diese Weise sammelt ein Welpe seine ersten Erfahrungen mit der Wirkung seiner Zähne. Nach dem Umzug muss er jedoch zusätzlich lernen, dass menschliche Haut, Hände, Füße und Kleidung keine Beute und kein Hundespielzeug sind.
Warum es beim Züchter häufig kaum auffällt
Unsere Welpen probieren selbstverständlich auch bei uns aus, ob sie in Finger, Hosenbeine oder Füße beißen dürfen. Sie erhalten darauf jedoch von Anfang an eine ruhige und immer gleiche Antwort.
Wir ziehen die Hände nicht hektisch weg, veranstalten kein wildes Spiel daraus und diskutieren nicht lange. Der Welpe merkt schnell, dass ihm dieses Verhalten keinen Erfolg bringt.
In einer neuen Familie sieht die Reaktion häufig anders aus. Hände zucken zurück, Füße bewegen sich, Menschen quietschen, reden oder versuchen den Welpen festzuhalten. Für einen aufgeregten Welpen kann all das wie eine Einladung zum Weitermachen wirken.
Das erklärt, weshalb ein Welpe dieses Verhalten nach dem Umzug plötzlich intensiver zeigen kann. Er hat die Beißhemmung nicht beim Züchter vergessen. Er prüft, welche Regeln bei seinen neuen Menschen gelten und welche Reaktion er mit seinem Verhalten auslösen kann.
Ruhig und eindeutig reagieren
Beißt der Welpe in Hände oder Kleidung, wird der Kontakt ruhig unterbrochen. Hände und Füße werden möglichst still gehalten. Der Mensch dreht sich ab oder beendet das gemeinsame Spiel für einen kurzen Moment.
Sobald der Welpe ruhig ist, kann der Kontakt wieder aufgenommen werden. So lernt er:
Mit ruhigem Verhalten geht das Miteinander weiter. Setze ich meine Zähne ein, endet es kurz.
Die Unterbrechung muss nicht lang sein. Entscheidend ist, dass sie unmittelbar erfolgt und jedes Familienmitglied möglichst gleich reagiert.
Schreien kann zusätzlich anfeuern
Häufig wird empfohlen, bei einem Biss laut aufzuschreien oder zu quietschen. Bei manchen Welpen unterbricht das tatsächlich das Verhalten. Andere werden dadurch jedoch erst recht aufgeregt.
Besonders ein temperamentvoller Welpe kann eine hohe Stimme, schnelle Bewegungen und hektisches Wegziehen als Teil des Spiels verstehen. Wird er dadurch wilder, ist eine ruhige Unterbrechung die bessere Antwort.
Es geht nicht darum, den Welpen zu erschrecken. Er soll lediglich erkennen, dass menschliche Haut und Kleidung für dieses Spiel nicht zur Verfügung stehen.
Eine passende Alternative anbieten
Ein Welpe besitzt ein natürliches Bedürfnis zu kauen. Gerade während des Zahnwechsels wird dieses Bedürfnis stärker.
Geeignete Kauartikel und Spielzeuge dürfen deshalb zur Verfügung stehen. Beißt der Welpe in einen Ärmel oder Schuh, kann das unerwünschte Verhalten unterbrochen und ihm anschließend etwas Passendes angeboten werden.
Die Alternative sollte jedoch nicht wie eine Belohnung für besonders kräftiges Beißen wirken. Zuerst wird kurz Ruhe hergestellt, danach bekommt der Welpe etwas, an dem er kauen darf.
Wenn aus Müdigkeit wilde Zähne werden
Viele Welpen setzen ihre Zähne besonders intensiv ein, wenn sie müde oder überdreht sind. Sie rennen hektisch durch den Raum, springen an Menschen hoch und scheinen kaum noch ansprechbar zu sein.
In diesem Zustand benötigt der Welpe meist kein weiteres Spiel. Er braucht Hilfe, um zur Ruhe zu kommen.
Ein ruhiger Bereich, weniger Ansprache und eine Pause können mehr bewirken als der Versuch, ihn noch stärker auszulasten. Häufig schläft der vermeintlich wilde kleine Hund kurze Zeit später tief und fest.
Kinder benötigen Unterstützung
Schnelle Kinderfüße, flatternde Kleidung und hohe Stimmen sind für viele Welpen besonders verlockend. Ein Kind kann die Situation deshalb nicht allein regeln.
Die Erwachsenen müssen früh eingreifen, bevor Welpe und Kind immer aufgeregter werden. Das Kind bleibt möglichst ruhig und der Erwachsene beendet den Kontakt. Weglaufen, Kreischen oder mit den Händen nach dem Welpen schlagen verstärkt das Verhalten häufig.
Kind und Welpe dürfen anschließend wieder zusammen sein, sobald Ruhe eingekehrt ist. Eine Grenze beendet nur diesen einen Moment und nicht ihre Beziehung.
Lernen braucht Wiederholung
Ein Welpe versteht eine Grenze nicht immer nach dem ersten Versuch. Gerade wenn er aufgeregt ist, wird er erneut ausprobieren, was gestern vielleicht schon gut funktioniert hat.
Das ist kein Zeichen dafür, dass er böse oder aggressiv ist. Er befindet sich mitten im Lernen.
Mit einer ruhigen, klaren und verlässlichen Reaktion versteht der Welpe nach und nach, wie er mit Menschen umgehen soll. Dabei benötigt es weder Angst noch Härte. Es braucht Menschen, die freundlich bleiben und trotzdem eindeutig zeigen: Deine Zähne gehören nicht an unsere Hände, Füße und Kleidung.


