Der Titertest beim Hund
Ein Titertest untersucht eine Blutprobe auf Antikörper gegen bestimmte Krankheitserreger. Er kann dabei helfen, die Immunantwort eines Hundes nach einer Impfung zu beurteilen und eine anstehende Impfentscheidung gezielter zu treffen.
Der Test ist jedoch nicht für jede Krankheit gleich aussagekräftig. Deshalb ist wichtig zu wissen, was tatsächlich gemessen wird und welche Schlussfolgerung daraus möglich ist.
Was wird beim Titertest gemessen?
Nach einer Impfung bildet das Immunsystem unter anderem Antikörper und Gedächtniszellen. Der Titertest erfasst die im Blut vorhandenen Antikörper. Die ebenfalls am Schutz beteiligten Gedächtniszellen und weitere Teile der Immunantwort werden damit nicht direkt gemessen.
Für Staupe, Parvovirose und die ansteckende Leberentzündung des Hundes stehen Antikörpertests zur Verfügung. Ein positives Ergebnis spricht bei diesen Erkrankungen dafür, dass der Hund auf die Impfung reagiert hat und eine erneute Impfung zu diesem Zeitpunkt in der Regel nicht erforderlich ist.
Was bedeutet ein niedriger oder negativer Wert?
Ein niedriger oder nicht nachweisbarer Antikörperwert bedeutet nicht automatisch, dass überhaupt kein Schutz mehr vorhanden ist. Antikörper können im Laufe der Zeit absinken, während das immunologische Gedächtnis erhalten bleibt.
Das Ergebnis muss deshalb zusammen mit der bisherigen Grundimmunisierung, dem verwendeten Test und dem Gesundheitszustand des Hundes betrachtet werden.
Anders ist es bei einem Welpen, der nach seiner Impfserie keine nachweisbaren Antikörper entwickelt hat. Hier kann das Ergebnis darauf hinweisen, dass mütterliche Antikörper die Impfung noch beeinflusst haben oder der Welpe keine ausreichende Immunantwort aufgebaut hat. Das weitere Vorgehen sollte dann tierärztlich besprochen werden.
Kontrolle nach der Grundimmunisierung
Ein Titertest kann einige Wochen nach der letzten Welpenimpfung gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis durchgeführt werden. Damit lässt sich kontrollieren, ob das Immunsystem auf die Impfungen reagiert hat.
Gerade bei Welpen ist das hilfreich, weil niemand von außen erkennen kann, wann die mütterlichen Antikörper so weit abgesunken waren, dass eine Impfung zuverlässig wirken konnte.
Ein positives Ergebnis zeigt, dass die Impfung eine messbare Immunantwort ausgelöst hat. Bei einem negativen Ergebnis kann gezielt über das weitere Vorgehen entschieden werden, anstatt lediglich Vermutungen anzustellen.
Nicht für jede Impfung geeignet
Ein Titertest ist kein allgemeiner Ersatz für sämtliche Wiederholungsimpfungen.
Bei Leptospirose lässt sich aus einem Antikörperwert kein ebenso verlässlicher Rückschluss auf einen dauerhaften Schutz ziehen. Diese Impfung besitzt ein anderes Schutzprofil und wird deshalb nach der Grundimmunisierung gewöhnlich regelmäßig aufgefrischt.
Auch Impfungen gegen Zwingerhusten oder Borreliose können nicht nach demselben Prinzip wie Staupe und Parvovirose beurteilt werden.
Vor einem Titertest sollte daher immer geklärt werden, gegen welche Krankheiten getestet wird und ob das Ergebnis für die gewünschte Entscheidung überhaupt geeignet ist.
Schnelltest oder Laboruntersuchung?
Einige Tierarztpraxen bieten einen Schnelltest an. Dieser zeigt, ob Antikörper gegen bestimmte Erkrankungen in ausreichender Menge nachweisbar sind. Für viele Entscheidungen kann ein solcher Test bereits genügen.
Eine Laboruntersuchung kann genauere Werte liefern. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt davon ab, weshalb der Test durchgeführt wird und welche Information benötigt wird.
Das Testergebnis sollte immer gemeinsam mit dem Impfpass betrachtet werden. Ein einzelner Zahlenwert ohne Kenntnis der bisherigen Impfungen erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Der Tollwuttiter ist ein Sonderfall
Ein Tollwut-Antikörpertest wird vor allem für die Einreise aus bestimmten Ländern oder für Reisen in bestimmte Gebiete benötigt. Dafür gelten feste Vorschriften. Die Blutprobe muss zum vorgeschriebenen Zeitpunkt genommen und in einem dafür zugelassenen Labor untersucht werden.
Ein ausreichender Tollwuttiter ersetzt im normalen Reiseverkehr nicht die gültige Tollwutimpfung im Heimtierausweis. Er ist je nach Reiseziel eine zusätzliche Voraussetzung.
Wer mit seinem Hund ins Ausland reisen möchte, sollte sich deshalb frühzeitig über die Bestimmungen des Ziellandes und die Bedingungen für die spätere Rückreise informieren.
Eine zusätzliche Entscheidungshilfe
Ein Titertest kann unnötige Wiederholungen einzelner Impfkomponenten vermeiden und gleichzeitig sichtbar machen, ob ein Welpe auf seine Grundimmunisierung reagiert hat.
Er beantwortet aber nicht jede Frage rund um den Impfschutz. Seine Aussage hängt von der jeweiligen Krankheit, dem Testverfahren und der bisherigen Impfung ab.
Für mich liegt sein Wert deshalb nicht in dem Versprechen „nie wieder impfen“, sondern in einer gezielteren Entscheidung: erst prüfen, was der Test tatsächlich zeigen kann, und anschließend nur das tun, was beim einzelnen Hund sinnvoll ist.

