Einen Tibet Terrier im Sommer einfach kurzzuscheren

 ist aus biologischer Sicht falsch und schadet dem Hund mehr, als es ihm hilft. Das dichte, doppelschichtige Fell des Tibet Terriers funktioniert wie eine Klimaanlage. Viele Besitzer meinen es zwar gut und wollen ihrem Tier Erleichterung verschaffen, bewirken durch das Abscheren aber genau das Gegenteil.

Warum das Scheren beim Tibet Terrier fehlerhaft ist
Das lange Deckhaar fängt die Sonnenstrahlen ab und hält die Hitze von der Haut fern. Wird das Fell komplett heruntergeschnitten, trifft die Hitze direkt auf den Körper, und der Hund überhitzt deutlich schneller. Die Haut unter dem dichten Fell ist hell, dünn und extrem empfindlich. Ohne das schützende Deckhaar ist der Tibet Terrier schutzlos der UV-Strahlung ausgesetzt, was zu schmerzhaften Sonnenbränden und Hautkrebs führen kann.

Die feine Unterwolle wächst nach einer Schur deutlich schneller nach als das robuste Deckhaar. Dadurch überwuchert die Unterwolle das Fell, fängt an extrem zu verfilzen und lässt noch weniger Luft an die Haut. Im schlimmsten Fall werden die Haarwurzeln dauerhaft geschädigt, sodass das schützende Deckhaar gar nicht mehr richtig nachwächst und das Fell dauerhaft stumpf, wattig und struppig bleibt.

Anstatt zur Schermaschine zu greifen, hilft eine fachgerechte Pflege dem Tibet Terrier viel besser durch die Hitze:

Die lose, abgestorbene Unterwolle muss mit speziellen Bürsten oder einem Unterwoll-Rechen gründlich herausgearbeitet werden. Dadurch entsteht eine Art Lüftungskanal unter dem langen Deckhaar, durch den der Wind die Haut kühlen kann.

Das Fell regelmäßig waschen und bürsten. Sauberes, staubfreies und ungefilztes Haar isoliert deutlich besser gegen Hitze. Wenn das Fell extrem lang ist und im Alltag stört, kann man es mit einer Schere leicht einkürzen z.B. an den Pfoten oder am Bauch. Wichtig ist nur, dass eine schützende Schicht Deckhaar über der Unterwolle stehen bleibt.

Das ist ein Argument, was ich tatsächlich sehr oft höre und lese. Das der Hund nach dem Scheren lebhafter und fröhlicher wirkt,  nur das dieses Verhalten häufig komplett falsch interpretiert wird!

Ein ungepflegtes, verfilztes Doppelfell wiegt schwer und zieht bei jeder Bewegung an der Haut. Wird dieses Fell weggeschoren, spürt der Hund plötzlich einen extremen Leichtigkeits-Effekt. Das ist Erleichterung über das fehlende Gewicht, nicht über die abgekühlte Temperatur. Direkt nach dem Scheren spürt der Hund jeden Lufthauch auf der nackten Haut. Das fühlt sich für ihn im ersten Moment ungewohnt und erfrischend an – ähnlich wie wenn wir uns im Winter komplett ausziehen. Dieser Effekt schlägt im Sommer bei direkter Sonneneinstrahlung jedoch blitzschnell in gefährliche Überhitzung um.

Manche Hunde rennen nach dem Scheren gestresst oder nervös herum, weil ihnen der natürliche Schutzfaktor fehlt. Sie fühlen sich nackt und ungeschützt. Der Besitzer deutet diese unruhige Aktivität dann fälschlicherweise als Lebensfreude.

Warum es ein Trugschluss ist
Sobald der Hund mit dem geschorenen Fell in die pralle Sonne geht, passiert Folgendes, die Sonne brennt ungebremst auf die ungeschützte Haut.
Da Hunde nicht wie Menschen über die Haut schwitzen, sondern fast nur über Hecheln und die Pfotenpfoten abkühlen, bringt das Scheren des Körpers keine echte thermische Abkühlung. Im Gegenteil die Hitze dringt viel schneller in den Körperkern vor, was das Risiko für einen lebensgefährlichen Hitzschlag massiv erhöht.

Die gefühlte Wohlfühlatmosphäre direkt nach dem Scheren ist meist nur von kurzer Dauer. Den exakt gleichen, positiven Effekt der Leichtigkeit erreicht man, wenn man das Fell gründlich auswollt. Dabei bleibt die schützende Klimaanlage das Deckhaar erhalten, aber die stickige, schwere Unterwolle ist weg.

Der Hund ist leicht, geschützt und kühler.