Frühe neurologische Stimulation unserer Welpen

Ab dem dritten Lebenstag beginnen wir bei unseren Welpen mit einer kurzen und behutsamen Form der frühen neurologischen Stimulation.

Dabei handelt es sich nicht um eine medizinische Behandlung und auch nicht um eine Stimulation mit Strom. Die Welpen werden für wenige Sekunden in unterschiedliche Positionen gebracht und lernen dabei sanfte Berührungs- und Temperaturreize kennen.

Fünf kurze Übungen

Das klassische Programm besteht aus fünf kleinen Übungen:

  • Eine Pfote wird vorsichtig zwischen den Zehen berührt.
  • Der Welpe wird für einen kurzen Moment mit dem Kopf nach oben gehalten.
  • Anschließend wird er behutsam mit dem Kopf nach unten gehalten.
  • Der Welpe liegt wenige Sekunden auf dem Rücken in den Händen.
  • Zum Abschluss werden seine Pfoten kurz auf ein kühles, feuchtes Tuch gestellt.

Jede Übung dauert nur etwa drei bis fünf Sekunden. Der gesamte Ablauf nimmt deshalb nicht mehr als eine halbe Minute pro Welpe in Anspruch.

Die Übungen werden ruhig durchgeführt. Sie sollen den Welpen einen kurzen, ungewohnten Reiz bieten, ihn aber nicht überfordern. Anschließend kommt er sofort wieder zu seiner Mutter und seinen Geschwistern.

Aufmerksam in der Hand

Für uns liegt ein wichtiger Wert dieser kurzen Übungen auch in der täglichen Beobachtung.

Jeder Welpe wird einzeln in die Hand genommen. Dabei spürt man, wie kräftig er sich bewegt, wie er auf Berührungen reagiert und ob sich etwas gegenüber dem Vortag verändert hat. Gleichzeitig erlebt der Welpe den Geruch, die Hände und die ruhige Nähe des Menschen.

Die Welpen sollen dabei nichts leisten. Sie müssen keine bestimmte Reaktion zeigen und werden nicht so lange in einer Position gehalten, bis sie diese widerstandslos hinnimmt. Die Übungen bleiben kurz und werden an den Zustand des einzelnen Welpen angepasst.

Kein Versprechen für den späteren Hund

Der frühen neurologischen Stimulation werden viele positive Wirkungen zugeschrieben. Sie soll unter anderem die Belastbarkeit, Entwicklung und spätere Stressverarbeitung fördern.

Die bisherigen Untersuchungen an Hunden ergeben dazu jedoch kein einheitliches Bild. Es lässt sich nicht versprechen, dass ein Welpe allein durch diese Übungen später ruhiger, gesünder oder besonders nervenstark wird.

Einige Studien fanden keinen deutlichen Unterschied zwischen Welpen mit diesen Übungen und Welpen, die im gleichen Zeitraum einfach regelmäßig und behutsam in die Hand genommen wurden.

Für uns ist die frühe neurologische Stimulation deshalb kein Mittel, mit dem ein „besserer“ Hund hergestellt wird. Sie ist ein kleiner Bestandteil des täglichen, aufmerksamen Umgangs mit unseren Welpen.

Ein kleiner Teil des Ganzen

Die Entwicklung eines Welpen hängt nicht an einer einzelnen Übung. Seine Mutter, die Geschwister, das Rudel, seine genetischen Voraussetzungen und alle weiteren Erfahrungen tragen gemeinsam dazu bei.

Später kommen neue Untergründe, Geräusche, Bewegungen und alltägliche Situationen hinzu. Diese Erfahrungen werden nicht möglichst schnell abgearbeitet, sondern passend zum Alter und zur Entwicklung der Welpen angeboten.

Die frühe neurologische Stimulation steht bei uns deshalb nicht für ein großes Versprechen. Sie bedeutet, dass jeder Welpe von seinen ersten Lebenstagen an täglich behutsam wahrgenommen, berührt und aufmerksam begleitet wird.