Wenn unsere Welpen das Licht der Welt erblicken

Tibet Terrier Welpe bei seiner Mutter eingekuschelt Die Geburt eines Wurfes ist jedes Mal etwas Besonderes. Auch wenn vieles vorbereitet ist und man den ungefähren Ablauf kennt, lässt sich eine Geburt nicht vollständig planen.

Die Mutterhündin bestimmt ihr eigenes Tempo. Unsere Aufgabe besteht darin, bei ihr zu bleiben, aufmerksam zu beobachten und ihr die Ruhe zu geben, die sie benötigt. Wir sind da, wenn sie unsere Nähe sucht, und halten uns zurück, wenn sie ihre Welpen selbstständig versorgt.

Die letzten Stunden vor der Geburt

Häufig zeigt die Hündin schon einige Zeit vorher, dass sich etwas verändert. Sie wird unruhiger, sucht ihren vorbereiteten Platz auf, scharrt in den Decken oder möchte besonders viel Nähe.

Ab diesem Zeitpunkt wird es auch für uns ruhig. Alles Nötige liegt bereit und die Hündin bleibt unter ständiger Beobachtung. Dabei soll sie sich nicht kontrolliert oder bedrängt fühlen. Sie kennt ihren Körper und zeigt sehr deutlich, was sie gerade braucht.

Manche Hündinnen möchten ihren Menschen unmittelbar bei sich haben. Andere benötigen zwischendurch etwas Abstand. Beides wird respektiert.

Der erste kleine Welpe

Welpe auf den der Hand

Wenn der erste Welpe geboren wird, scheint die Zeit für einen Moment stillzustehen. Eben war da nur die erwartungsvolle Unruhe – und plötzlich liegt ein winziges neues Leben bei seiner Mutter.

Die Mutter beginnt gewöhnlich sofort, den Welpen zu versorgen. Sie entfernt die Fruchthülle, leckt ihn trocken und regt damit Atmung und Kreislauf an. Schon kurze Zeit später sucht der Kleine nach Wärme und der Milchbar.

Jeder Welpe wird von uns angesehen, gewogen und anschließend möglichst schnell wieder zur Mutter gelegt. Wir greifen nicht mehr ein als notwendig. Die ersten Augenblicke gehören vor allem der Hündin und ihren Welpen.

Eine kleine Familie entsteht

Mit jedem weiteren Welpen füllt sich das Nest. Die Kleinen rutschen suchend über ihre Mutter und Geschwister, bis sie einen Platz zum Trinken gefunden haben. Noch sind sie blind und taub. Sie orientieren sich über Wärme, Berührung und Geruch.

Für die Mutter beginnt unmittelbar nach der Geburt eine sehr intensive Zeit. Sie hält ihre Welpen warm, säugt und reinigt sie. Dabei verlässt sie das Nest anfangs häufig nur für kurze Zeit.

Trotzdem muss sie jederzeit selbst entscheiden können, wann sie hinausgehen, trinken, fressen oder einen Augenblick Abstand nehmen möchte. Alle Türen bleiben für sie offen. Meldet sie sich, sind wir da.

Die ersten Tage in geschützter Ruhe

Welpe auf den der HandIn den ersten beiden Wochen leben Mutter und Welpen bei uns im Schlafzimmer. Dort sind sie nicht vom Familienleben ausgeschlossen, besitzen aber einen geschützten und ruhigen Bereich.

Die Mutter kann ihre Welpen kennenlernen, ohne dass sie durch die anderen Hunde oder ständigen Besuch in einen Beschützermodus gerät. Gleichzeitig ist sie nicht allein. Wir hören und sehen, wenn sie oder einer der Welpen etwas benötigt.

Die anderen Hunde nehmen die neuen Gerüche und Geräusche natürlich trotzdem wahr. Sie wissen sehr genau, dass sich etwas verändert hat. Wann sie die Welpen näher kennenlernen dürfen, entscheidet später die Mutterhündin mit.

Kleine Veränderungen werden genau beobachtet

In diesen ersten Tagen besteht der Alltag der Welpen fast ausschließlich aus Trinken und Schlafen. Von außen sieht es deshalb manchmal so aus, als geschähe noch nicht viel.

Für uns gibt es dennoch vieles zu beobachten. Trinken alle Welpen ausreichend? Nehmen sie zu? Liegen sie ruhig und zufrieden bei ihrer Mutter? Bewegt sich jeder Welpe kräftig und findet selbstständig zur Milchbar?

Das tägliche Wiegen hilft uns dabei, die Entwicklung jedes einzelnen Welpen im Blick zu behalten. Kleine Auffälligkeiten lassen sich so früh erkennen.

Auch die Mutter wird aufmerksam beobachtet. Sie leistet in dieser Zeit sehr viel und benötigt gutes Futter, ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und ebenso unsere Fürsorge.

Aus winzigen Wesen werden kleine Persönlichkeiten

Tibet Welpe zwischen seinen Eltern

Anfangs unterscheiden sich die Welpen vor allem durch ihre Farbe, Größe und kleinen Abzeichen. Trotzdem fallen schon bald erste Eigenheiten auf.

Einer findet besonders schnell zur Milchbar. Ein anderer schläft am liebsten mitten unter seinen Geschwistern. Manche bewegen sich erstaunlich zielstrebig durch das Nest, während andere es sich lieber an der wärmsten Stelle bequem machen.

Noch sind es nur kleine Beobachtungen. Doch mit jedem Tag werden aus den winzigen, hilflosen Wesen immer deutlicher kleine Persönlichkeiten.

Die Geburt ist deshalb nicht nur der Augenblick, in dem unsere Welpen das Licht der Welt erblicken. Sie ist der Beginn vieler Wochen voller Entwicklung, Nähe, Verantwortung und kleiner Momente, die wir für immer in Erinnerung behalten.