Hundewiesen – viel Trubel, wenig Orientierung
Hundewiesen werden häufig als Treffpunkt angeboten, an dem Hunde frei laufen, spielen und soziale Kontakte sammeln können. Für mich sind sie jedoch kein geeigneter Ort, um einem Hund Sozialverhalten zu vermitteln oder ihn sinnvoll auszulasten.
Dort treffen fremde Hunde mit unterschiedlichen Charakteren, Erfahrungen und Erziehungsständen aufeinander. Niemand weiß, wie der einzelne Hund reagiert, welche Grenzen er besitzt oder was er bereits erlebt hat. Trotzdem wird häufig das Tor geöffnet und erwartet, dass die Hunde alles untereinander regeln.
Eine zufällige Gruppe ist kein Rudel
Ein Rudel besteht aus Hunden, die einander kennen und deren Verhalten aufeinander abgestimmt ist. Auf einer Hundewiese entsteht dagegen eine ständig wechselnde Ansammlung fremder Hunde.
Wer bereits auf der Wiese ist, kann sich als Gruppe zusammenschließen. Ein neu hinzukommender Hund wird am Eingang erwartet, umringt und von mehreren Seiten untersucht. Schon der Zugang wird dadurch zum Engpass, aus dem der neue Hund kaum ausweichen kann.
Was von außen wie eine freundliche Begrüßung aussieht, kann für ihn erheblichen Druck bedeuten.
Nicht jedes Rennen ist ein schönes Spiel
Rennen mehrere Hunde über die Wiese, wirkt das zunächst ausgelassen und fröhlich. Häufig lohnt sich jedoch ein genauerer Blick.
Wechseln die Rollen oder wird immer derselbe Hund verfolgt? Kann jeder aussteigen? Entstehen Pausen? Kehrt der gejagte Hund freiwillig zurück oder versucht er, Abstand zu gewinnen?
Wird ein Hund von mehreren gehetzt, umgerannt oder am Verlassen der Situation gehindert, ist das kein gemeinsames Spiel. Trotzdem wird gerade auf Hundewiesen häufig abgewartet, bis ein Hund sich deutlich wehren muss. Anschließend gilt ausgerechnet seine Gegenwehr als problematisch.
Dauernde Aufregung ist keine Auslastung
Ein Hund kann nach einem Besuch auf der Hundewiese vollkommen erschöpft sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass ihm der Aufenthalt gutgetan hat.
Ständiges Rennen, Ausweichen, Beobachten und Reagieren kann körperlich müde machen, während der Hund innerlich noch lange nicht zur Ruhe kommt. Einige Hunde lernen dort vor allem, beim Anblick anderer Hunde sofort hochzufahren. Sie ziehen an der Leine, bellen oder erwarten bei jeder Begegnung ein wildes Spiel.
Aus einem vermeintlichen Ausflug zur Auslastung kann dadurch eine dauerhafte Erwartungshaltung entstehen.
Während die Menschen reden
Auf vielen Hundewiesen stehen die Menschen zusammen, während die Hunde sich selbst überlassen bleiben. Feine Signale werden dabei schnell übersehen.
Ein Hund, der sich hinter seinem Menschen versteckt, ständig am Rand bleibt oder erfolglos nach einem Ausgang sucht, hat keine schöne Zeit. Ebenso benötigt ein Hund Unterstützung, der andere ununterbrochen bedrängt und trotz deren Abwehr nicht aufhört.
Die Verantwortung endet nicht mit dem Öffnen der Leine. Freilauf bedeutet nicht, dass der Mensch nicht mehr hinschauen muss.
Zusätzliche Unruhe durch Futter und Spielzeug
Bälle, Wurfspielzeug und Futter können in einer fremden Hundegruppe schnell zu Streit führen. Nicht jeder Hund teilt seine Beute und nicht jeder reagiert gelassen, wenn ein anderer ihm etwas wegnimmt.
Auch wildes Ballwerfen steigert die ohnehin vorhandene Erregung. Mehrere Hunde laufen demselben Gegenstand hinterher, drängen einander ab oder geraten körperlich aneinander. Mit einem ruhigen sozialen Miteinander hat das wenig zu tun.
Für den Tibet Terrier selten der passende Ort
Der Tibet Terrier beobachtet genau und entscheidet bewusst, mit wem er Kontakt haben möchte. Viele schätzen keine fremden Hunde, die ohne Abstand in sie hineinlaufen. Werden ihre zurückhaltenden Signale übergangen, können sie deutlicher werden oder beginnen, Begegnungen grundsätzlich abzulehnen.
Sie müssen nicht lernen, eine unübersichtliche Hundegruppe auszuhalten. Ihre Fähigkeit, Situationen einzuschätzen und Kontakte auszuwählen, sollte ernst genommen werden.
Vorbeigehen ist ebenfalls Sozialverhalten
Ein Hund muss nicht auf eine Hundewiese, um andere Hunde kennenzulernen. Er begegnet ihnen beim Spaziergang, kann ausgewählte Hunde treffen oder mit passenden Sozialpartnern gemeinsam unterwegs sein.
Ebenso wichtig ist die Erfahrung, einen Hund zu sehen und einfach weiterzugehen. Ruhig vorbeizulaufen, sich wieder dem eigenen Menschen zuzuwenden und nicht aus jeder Begegnung ein Ereignis zu machen, gehört für mich zu einem sicheren Alltag.
Wir verzichten lieber darauf
Ich möchte wissen, mit welchen Hunden meine Hunde Kontakt haben und wie diese Begegnungen verlaufen. Deshalb ziehe ich einzelne, passende Hundekontakte einer zufällig zusammengewürfelten Gruppe vor.
Meine Hunde müssen weder mit jedem spielen noch jeden fremden Hund kennenlernen. Sie dürfen beobachten, Abstand halten und selbst entscheiden, ob sie Kontakt möchten. Eine Hundewiese benötigen sie dafür nicht.

