Eine Rückgabe ist für mich kein Grund, einen Menschen zu verurteilen

Ich verurteile keinen Menschen dafür, dass er einen Hund zurückgibt, weil er sich überfordert fühlt oder erkennt, dass er ihm nicht mehr gerecht werden kann. Ich möchte solche Menschen weder bloßstellen noch öffentlich an den Pranger stellen.

Im Gegenteil: Ich weiß den Mut zu schätzen, den es kosten kann, die eigenen Grenzen offen einzugestehen. Es ist nicht leicht, auszusprechen, dass ein gemeinsames Leben nicht so funktioniert, wie man es sich erhofft hatte. Wer rechtzeitig ehrlich um Hilfe bittet oder einen Hund in verantwortungsvolle Hände zurückgibt, eröffnet ihm damit die Möglichkeit auf einen neuen Anfang.

Auch bei Leni war nicht seine Rückgabe der Grund für meine deutliche Reaktion. Hätte seine Familie mir lediglich offen gesagt, dass sie überfordert ist und ihn zurückgeben möchte, wäre alles anders verlaufen. Ich hätte Leni aufgenommen, mich um ihn gekümmert und gemeinsam mit allen Beteiligten versucht, die Situation ruhig abzuschließen.

Was mich zutiefst getroffen und zu diesem öffentlichen Weg bewegt hat, war ausschließlich das zugesandte Video und der darin sichtbare massive Umgang mit ihm. Ohne dieses Video hätte es weder diese Form meiner Reaktion noch die daraus entstandenen Beiträge gegeben.

Ich erzähle Lenis Geschichte deshalb nicht, um seine früheren Menschen bloßzustellen. Ihre Identität bleibt geschützt. Mir geht es darum, anhand seines Beispiels zum Hinsehen und Nachdenken anzuregen – und zugleich deutlich zu machen: Eine ehrliche Rückgabe ist für mich kein Grund zur Verurteilung.