Ein Welpe zieht nicht einfach nur um
Für die neue Familie ist der Tag der Abholung voller Freude. Für den Welpen verändert sich dagegen innerhalb weniger Stunden seine ganze bisherige Welt.
Bis zu diesem Tag lebte er mit seiner Mutter, seinen Geschwistern, den anderen Hunden und vertrauten Menschen zusammen. Er kannte die Geräusche, Gerüche und täglichen Abläufe seines Zuhauses. Nun fährt er mit Menschen fort, die er zwar bereits kennengelernt hat, die aber noch nicht seine vertraute Familie sind.
Ein Welpe weiß nicht, dass für ihn ein schönes neues Leben vorbereitet wurde. Er erlebt zunächst nur, dass alles Bekannte plötzlich verschwunden ist.
Die Fahrt ins neue Zuhause
Für die erste Fahrt sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Der Welpe muss an diesem Tag weder mehrere Menschen kennenlernen noch unterwegs verschiedene Orte besuchen.
Manche Welpen verschlafen einen großen Teil der Fahrt. Andere sind unruhig, beobachten aufmerksam oder suchen viel Nähe. Auch Übelkeit kann bei der ersten längeren Autofahrt vorkommen.
Eine ruhige Fahrt und ein sicherer Platz helfen ihm mehr als ständige Ansprache. Der Welpe darf schauen, schlafen oder sich anlehnen. Er muss während dieser Fahrt noch nichts leisten.
Die ersten Schritte
Im neuen Zuhause sollte der Welpe zunächst nur den Bereich kennenlernen, den er wirklich benötigt. Er muss nicht am ersten Tag jedes Zimmer, den ganzen Garten und die gesamte Nachbarschaft erkunden.
Lasst ihn in seinem eigenen Tempo schauen und schnuppern. Zeigt ihm seinen Schlafplatz, das Wasser und die Stelle, an der er sich lösen darf. Bleibt in seiner Nähe, ohne ihn ständig zu tragen, zu locken oder zu beschäftigen.
Ein neugieriger Welpe wird vielleicht sofort losziehen. Ein vorsichtiger Welpe bleibt zunächst stehen und betrachtet alles. Beides ist in Ordnung.
Die ersten Tage gehören der Familie
Auch wenn Verwandte, Freunde und Nachbarn den neuen Welpen unbedingt kennenlernen möchten, sollten die ersten Tage möglichst ruhig bleiben.
Der Welpe braucht zunächst die Menschen, mit denen er zukünftig zusammenlebt. Er muss ihre Stimmen, Bewegungen und Abläufe kennenlernen und herausfinden, wo er Ruhe und Sicherheit findet.
Besuch läuft nicht weg. Für den Aufbau des gemeinsamen Alltags sind diese ersten ruhigen Tage jedoch besonders wertvoll.
Nähe und Ruhe
Ein Welpe kann nach dem Umzug mehr Nähe suchen, als man erwartet. Besonders am Abend und in der Nacht fehlen die Wärme und die Geräusche seiner Geschwister.
Nähe zu geben bedeutet nicht, dass der Welpe von nun an alles bestimmen darf. Er kann sich sicher und geborgen fühlen und trotzdem vom ersten Tag an verständliche Regeln kennenlernen.
Ein Schlafplatz in der Nähe seiner Menschen erleichtert vielen Welpen die ersten Nächte. Wird er unruhig, muss er möglicherweise hinaus. Danach sollte wieder Ruhe einkehren. Die Nacht ist weder Spielzeit noch der richtige Moment für ein großes Unterhaltungsprogramm.
Ein geregelter Alltag hilft beim Ankommen
Feste, einfache Abläufe geben dem Welpen Orientierung. Dazu gehören regelmäßige Fütterungszeiten, ausreichend Schlaf, kurze gemeinsame Aktivitäten und häufige Möglichkeiten, sich draußen zu lösen.
Nach dem Schlafen, Fressen und Spielen sollte der Welpe hinausgebracht werden. Missgeschicke werden trotzdem passieren. Er kennt zwar möglicherweise bereits einen bestimmten Untergrund oder meldet sich auf seine Weise, kann seine Blase aber noch nicht zuverlässig kontrollieren.
Hektik und Schimpfen helfen ihm dabei nicht. Ruhiges Beobachten und rechtzeitiges Hinausgehen führen schneller zum Ziel.
Regeln dürfen von Anfang an gelten
Ein Welpe ist klein, niedlich und gerade erst angekommen. Trotzdem beginnt er sofort zu lernen, welche Regeln in seinem neuen Zuhause gelten.
Darf er später nicht an Schuhen kauen, in Hände beißen oder am Tisch betteln, muss man es ihm nicht zunächst einige Wochen erlauben. Eine Grenze kann freundlich und dennoch eindeutig sein.
Dabei braucht der Welpe keine langen Erklärungen. Eine ruhige Unterbrechung und eine passende Alternative reichen häufig aus. Wichtig ist, dass die Menschen im Haushalt möglichst gleich reagieren.
Nicht zu viel auf einmal
In den ersten Tagen benötigt der Welpe keine Welpengruppe, keinen Einkaufsbummel und kein volles Besuchsprogramm. Die neue Wohnung, die Menschen, der Garten und die ersten kleinen Wege sind bereits eine große Menge neuer Eindrücke.
Schlaf ist in dieser Zeit besonders wichtig. Ein übermüdeter Welpe wird häufig wilder, beißt stärker und findet immer schlechter zur Ruhe. Dann braucht er nicht noch mehr Beschäftigung, sondern Unterstützung beim Herunterfahren.
Neue Erfahrungen dürfen nach und nach hinzukommen. Der Welpe hat noch sein ganzes Leben vor sich und muss die Welt nicht innerhalb einer Woche vollständig kennenlernen.
Wenn bereits Hunde im Haushalt leben
Das erste Zusammentreffen sollte ruhig und mit ausreichend Platz stattfinden. Die vorhandenen Hunde dürfen den Neuankömmling kennenlernen, müssen aber nicht sofort mit ihm spielen oder ihren Ruheplatz teilen.
Auch der Welpe muss lernen, dass nicht jeder erwachsene Hund jederzeit für ihn zur Verfügung steht. Rückzugsmöglichkeiten und getrennte Ruhephasen helfen allen Beteiligten.
Eine gute Beziehung kann nicht erzwungen werden. Sie wächst im gemeinsamen Alltag.
Aus einem fremden Ort wird ein Zuhause
Ankommen geschieht nicht an einem einzigen Tag. Manche Welpen wirken sofort sicher, andere benötigen mehr Zeit. Auch ein zunächst fröhlicher Welpe kann nach einigen Tagen vorsichtiger oder anhänglicher werden, wenn er die Veränderung erst nach und nach verarbeitet.
Gebt ihm Zeit, aber verliert euch dabei nicht selbst aus den Augen. Ein Welpe braucht liebevolle Nähe ebenso wie ruhige Führung und einen verständlichen Alltag.
Er zieht nicht als fertiger Hund bei euch ein. Er bringt seinen eigenen Charakter, seine bisherigen Erfahrungen und eine gute Grundlage mit. Alles Weitere entsteht nun gemeinsam – Tag für Tag, bis aus der neuen Umgebung sein Zuhause und aus fremden Menschen seine Familie geworden sind.

